DIE KUNST DER STUNDE IST WIDERSTAND

Unter diesem Slogan bildete sich bald nach Angelobung der österreichischen Regierung mit Beteiligung der FPÖ (Februar 2000) ein Distributionspool für kritisch Stellung beziehende Filme und Videos. Innerhalb weniger Wochen entstand ein rund achtstündiges Programm für die Diagonale (Festival des österreichischen Films) mit Arbeiten in den unterschiedlichsten Formen und Formaten, von Filmschaffenden und AktivistInnen vielfältigster Herkunft. Gemeinsam ging es darum, Widerspruch zu artikulieren, nicht nur gegen die in die Regierung aufgestiegene extreme Rechte, sondern auch wider den allgemeinen verkommenen Zustand einer Politik, einer Öffentlichkeit und einer Gesellschaft, die dies zugelassen und befördert hatten.

Dieser vielstimmige Aufschrei mag trotz nicht geringer symbolischer Erfolge (z.B. über 100 dokumentierte Präsentationen in Österreich und Europa) unmittelbar nicht viel gebracht haben. Dennoch wurden hier, ebenso wie in vielen anderen Initiativen, auch wertvolle Erfahrungen gemacht. Unabhängiges, großteils subkulturelles Produzieren erfuhr Solidarität und Anerkennung, und es wurden wichtige neue (Quer-) Verbindungen geschaffen, eben z.B. zwischen "Filmleuten" und "PolitaktivistInnen", die über die Grenzen des je eigenen Bereichs und die eigenen Partikularinteressen hinaus gemeinsam agierten.

Solche Politisierungen stellen nicht zuletzt auch Funktionen und Kontexte ästhetischer Praxis erneut in Frage. (Wie) Kann eine solche Praxis gesellschaftlich eingreifen? Inwieweit wird "Widerstand" (bloß) zu einer ästhetischen Kategorie? Die bisher vorliegenden Arbeiten liefern vielleicht keine befriedigenden (positiven) Antworten, aber - sie transportieren die Fragen weiter, in der Hoffnung, dass dadurch im Prozess Strukturen nachhaltig verändert bzw. neu geschaffen werden können.

2001, in ihrem 2. Jahr, setzte DIE KUNST DER STUNDE ihre Aktivitäten fort; eine neue, dichtere Kompilation entstand und mit Preisgeldern (Diagonale-Preis Innovatives Kino 2000 & 2001) konnte einigen Einzelprojekten eine Startförderung gegeben werden. Das kollektive Projekt war aber von vornherein transitorisch angelegt. Wenn die Gruppe heute nicht mehr unter demselben Namen aktiv ist, heißt das jedoch nicht, dass ihre Mitglieder sich nicht weiterhin filmisch-politisch betätigen würden. Energien haben sich verlagert, Aktivitäten transformiert, Themenkreise erweitert; so z.B. im Programm "Politik bilden!" (Diagonale 2001), das sich mit interventionistischem Videoschaffen beschäftigte, oder auch bei der Reihe "noborder - nonation" (Diagonale 2002), ein Ausdruck der Internationalisierung des Aktivismus, der im letzten Jahr verstärkt an die globale Protestbewegung angekoppelt wurde.