Grand Tour

Grand Tour
Petra Egg

Österreich 2003, 54 min,
dt/ger

Für die jüngste Videoarbeit "Grand Tour" griff Petra Egg erneut auf ihre sich ständig erweiternde Postkartensammlung zurück. Standbildartig aneinander gereihte Aufnahmen einzelner Bildmotive, in der Abfolge ihrer Ordnung im Archiv, jeweils für einige Sekunden gezeigt, sind akustisch hinterlegt mit den Sujets entsprechenden (hauptsächlich von Männern verfassten) literarischen Reiseberichten aus verschiedenen Zeiten, um die Formung des touristischen Blicks durch Bilder und literarische Darstellungen aufzuzeigen. Eine Italienreise - "Le Grand Tour" - gehrte im 17. und 18. Jahrhundert zu den Selbstverständlichkeiten einer Künstlerlaufbahn; über die Einrichtung von Rom-Stipendien durch die Akademien wurden jungen Künstlern zur fachgerechten Ausbildung mehrjährige Aufenthalte und Reisen im Land ermöglicht. Gemeinsam durchwanderten die Maler die Ruinenfelder und zeichneten vor Ort antike Denkmäler und Landschaftsansichten, die in eindrucksvolle Gemälde umgesetzt in ganz Europa ihre Abnehmer fanden. Das oft autobiografisch motivierte literarische Thema der Erzählung von den Lehr- und Wanderjahren oder Goethes Eindrücke von seiner Italienischen Reise taten das Ihre zum damals anhebenden Kulturtourismus. Von wenigen Ausnahmen abgesehen kamen Künstlerinnen als Reisende - wenn überhaupt - erst ab den 1920er Jahren zum Zug. Ein Aspekt dieser Videoarbeit ist daher, anhand der zitierten Ausschnitte aus Reiseberichten zu hinterfragen, wie sich Rollenbilder und Verhaltensmuster in Bezug auf das Reisen wie auch auf den Status als Künstlerin im Lauf der Zeit verändert haben.
Ulrike Matzer, Salzburger Kunstverein

Petra Egg returned once again to her constantly expanding collection of postcards for her video work entitled Grand Tour. Freeze-frame shots of individual picture motifs are taken side by side in the same sequence in which they are sorted into her archive. Each frame lasts for only a few seconds, and is backed by a soundtrack of literary travel journals from different epochs that relate to each motif, designed to show how the tourist perspective is shaped by pictures and literary representations. In the 17th and 18th century any self-respecting young artist starting out on his career would as a matter of course embark on his grand tour or formative trip to Italy; art academies offered scholarships to Rome to enable young artists to spend several years living and travelling in Italy, and receive the appropriate training. The artists would stroll together among the ruins of classical antiquity and make on-site sketches of monuments and landscape views which, once rendered into full-size paintings, would be sold to patrons and admirers throughout Europe. The often autobiographically motivated literary theme that fills the account of the artists' years of apprenticeship and travels, or Goethe's impressions of his Italian Journey, contributed in their way to the emergent notion of cultural tourism. A few exceptions notwithstanding it was not until the 1920s - if at all - that female artists themselves began to travel. One aspect of this video work, then, is the use of quoted excerpts from travel journals to question how role models and behavioural patterns have changed over time as they apply to travel as well as the status of the female artist.
Ulrike Matzer, Salzburger Kunstverein Übersetzung: Stephen Grynwasser

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