Pieces of Dreams

Pieces of Dreams
Michael Pilz

Österreich 1988/1999,
55 min, eng, no subtitles

Im Herbst 1988 inszenierte Jack Garfein in Wien bei George Tabori vier Einakter von Samuel Beckett. Jack ist in der Slowakei aufgewachsen, hat Auschwitz überlebt und eine Theaterkarriere bei Lee Strasberg am New Yorker Action Theatre begonnen. Er inszenierte erfolgreich am Broadway, war mit der Schauspielerin Carrol Baker verheiratet, drehte zwei ausgezeichnete Spiel- und mehrere Dokumentarfilme, lehrte in den USA und bersiedelte Ende der 80er Jahre nach Paris. Ich traf Jack bei einem Seminar über die Schauspieltechnik von Stanislawski, wir freundeten uns an und er hatte nichts dagegen, als ich während der sechswöchigen Proben filmen wollte. Um mir zu zeigen, wie er selbst am Text arbeitet, bevor er sich den Schauspielern widmet, lud er mich am Nachmittag des 3. September zu sich in sein Hotel. Ohne im voraus zu wissen, was geschehen wird, filmte ich, wie er dem Text von "Ohio Impromptu", einem rätselvollen Zusammentreffen zweier Männer auf den Grund zu gehen versuchte. Am nächsten Morgen begann die sechswöchige Probenarbeit mit den Schauspielern. Seither habe ich nur einmal eine Aufnahme des insgesamt etwa vierzig Stunden umfassenden Videomaterials benützt, 1994 in "All the Vermeers in Prague", eine kurze Szene, in der Jack mit den Schauspielern über "Ohio Impromptu" spricht. Die Aufnahmen vom 3. September 1988 sah ich zum erstenmal im Juni 1999, während einer schwierigen Phase der Montage von "Da capo al fine" (1995/99), um mich etwas abzulenken. Ich hatte inzwischen vergessen, was damals passiert war und wie ich gefilmt hatte. Ich war überrascht, vor allem von der Tatsache, dass es kaum etwas zu ändern gab und dass die ungewöhnliche Ton- und Farbgestaltung, teilweise eine Folge der Alterung des Videomaterials, meinen Absichten, dem Dokument einen zusätzlichen Anstrich von Fiktion zu verleihen, entgegenkam. Was wir heute sehen, elf Jahre nach den Dreharbeiten, entspricht bis auf wenige Kürzungen dem, was und wie ich damals filmte, als Jack versuchte, den rätselvollen Text zu entschlüsseln und seine eigenen inneren Bilder dazu zu finden. In einem persönlichen Gesprch soll Beckett Jack auf die Frage, welche Absichten diesem Theaterstück zugrunde liegen, gesagt haben, "that's all there is".
Michael Pilz

An encounter between two men in a Viennese hotel room. An exciting and personal report from 1988 that was recently rediscovered by the maker. How the American director Jack Garfein tried to get into the recalcitrant text of Samuel Beckett's "Ohio Impromptu". One director meets the other. An intimate moment.
29th International Film Festival Rotterdam

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