Prisj√°dim na dorozku (Let's sit down before we leave)

Prisjádim na dorozku (Let's sit down before we leave)
Michael Pilz

Österreich 1994/1995, 630 min,
eng, holl, russ, dt/ger,
no subtitles

"Prisjdim na dorozku" ist ein Film zur Meditation - über Fernes und Nahes, Fremdes und Vertrautes, über eine Winterreise, über Bilder und Das-Sich-Ein-Bild-Machen. über Hören und genaueres Hinsehen. Über Zeit und Illusion, Äußeres und Inneres, Vergnügliches, Gegenwärtiges. Über Heiteres, Beschwerliches, über die Langsamkeit. Über zufällige, absichtliche und Augen-Blicke. Über Liebe. Über das Warten, bis Bilder selber reden. Über Abbilder und Wirklichkeit. Über Licht, Dämmerung und Schatten. Stille. Über Kindheit, Altern, Arbeit, Geld. Über das Kino. Nach Innen schauen. Denken in Bildern. Über das Feuer. Über den Tod. Über Mascha's leuchtende Augen, Rudolf's Müdigkeit, Volodja's Sturheit, die Wahrheit Robert Frank's. Filmschnitt und Montage. Über Tanja's Sanftmut, Van Gogh's Caf, Pjotr's Zigarette, Bertien's Eiligkeit. Archipel Gulag. Vodka, Tchechov, Träume, über das Sonnenlicht auf Sergej's Wange. Über "wie" und über "was" ... "Prisjdim na dorozku" ist eine Art "Reisefilm", der den Spuren einer Fotografin folgt und dabei selbst Spuren hinterlässt, der erkundet und gleichzeitig davon Kunde gibt, der zeigt, wie es den Menschen vor der Kamera geht und dabei nicht verbirgt, wie es mir hinter der Kamera geht. Er zeigt und ermöglicht persönliche Begegnungen und Erfahrungen. Wer will, kann sich davon tragen und verführen lassen, vielleicht weniger in die ferne Mitte Asiens, als vielmehr in die nahen, eigenen Landschaften. "Prisjdim na dorozku" montiert Bewegungen und Bilder, eine Vielzahl kleiner, oft auch unscheinbarer Ereignisse, die alle etwas sagen, aber eher beiläufig als bedeutungsvoll. Sie laden zu genauem Sehen und Hören ein, wodurch "wie von selbst" viele kleine Geschichten entstehen, die ursprünglich in dieser Form nicht existierten, denn beim Filmen dachte ich nicht daran, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Ein Bild bezieht sich auf das andere und eine Geschichte kommentiert die andere, eben "wie von selbst". Was augenblicklich sichtbar wird, ist im nächsten Augenblick nicht mehr da. Das schärft die Aufmerksamkeit, das Horchen, das Schauen. Man muss den Film nicht vom Anfang bis zum Ende und nicht durchgehend sehen. Man kann sich ihm nähern, je nach Interesse oder Laune, teilweise, wiederholt, oder auch zur Gänze. Es ist wie mit manchen Büchern, Landschaften oder Personen. Von Zeit zu Zeit trifft man aufeinander, zufällig oder absichtlich, unter verschiedenen Umständen, in verschiedenen Stimmungen, neugierig, unsicher, traurig oder heiter. Jedes Wiedersehen bringt neue, andere Erfahrungen. Es ist wie beim Reisen. Annähernd wird deutlich, wohin es geht und entfernend, woher ich komme. "Prisjdim na dorozku" bezeichnet den alten russischen Brauch, sich vor einer Reise ein Weilchen hinzusetzen und in sich zu gehen.
Michael Pilz

"Prisyadim na dorozhku" is an invitation to look and listen and marvel. In the sense of what Franz Blei (Austrian writer at the beginning of this century) intended I tried to film what was closest to me and is yet foreign to us. As far as the Russian language is concerned what mattered to me most was not so much understanding it as capturing its melody. While I am sitting still and doing nothing, spring is coming and the grass is growing. (Zenrin Kushu)
Michael Pilz

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