Strich

Strich
Projektgruppe Videoschluchten

Österreich 1980,
50 min,
s/w,
dt/ger

Es gab ein Stundenhotel in Wien. K.J. arbeitet dort als Portierin. Wir beginnen mit Erlaubnis und auf Wunsch der Frauen zu filmen, bzw. im Haus gibt es eine Kamera, die mit mehr oder weniger Lust aus- und eingeschaltet wird. Es ergeben sich innerhalb des Jahres der Arbeit im Hotel verschiedene Fragen - die einzige Antwort: Diese Frauen sind Frauen wie andere auch. Es schwinden: Theoretische Ansätze und Ansprüche-Klischees: die immer lustvollen Frauen, erotisches Klima, Mythen um die besondere Stimmung in dieser Randgruppe etc.
Was bleibt: Beziehungen mit den Frauen im Hotel, erlebter und aufgezeichneter Alltag. Arbeitende Frauen. Beruf: Prostitution. Zitate: "A Hockn wie jede aundare." "A Hur is moralischa wie a Bankdirektor."

Auszug aus dem Arbeitsbericht des Videoprojekts Hotel Weinstock - Frauen am Strich (1980):
"Begonnen haben wir im Herbst 1979, aus Interesse am Leben und der Sexualitat der Frauen im Vergleich zu uns und anderen Frauen. Karin arbeitete schon lange als Portierin im Hotel, sie wollte Klarheit und Trennung über persönliche Zuneigung, integriert sein und sich als Frau betroffen fühlen. Wer sind diese Frauen, was denken sie über ihren Beruf, Männer, Sexualitat? etc. Dazu kam, dass in der Frauenbewegung und in sogenannten linken Kreisen die Frauen am Strich aus ideologischen Gründen abgelehnt wurden. Was sich durch die Arbeit geändert hat, Probleme, etc.: Wir hatten Illusionen das Medium Video betreffend. Um technisch halbwegs gute Qualität zu produzieren braucht man einige Praxis, nicht jedes Kind kann mit diesem Medium (wie oft propagiert) arbeiten. Nebenbei war uns die Qualität ziemlich wurscht, solange man halbwegs versteht, was gemeint ist.
Der Aufwand, mit Video zu arbeiten, lohnt sich nur in speziellen und wahrscheinlich wenigen Fällen. Videofilme nützen möglicherweise dem Betrachter als Diskussionsgrundlage (aber nur wenn er vorher schon Interesse am Thema hatte). Dem Aktiven im Video nutzt er nur, wenn er selbst das Medium "entdeckt"und persönlich damit arbeiten will. Unsere Erwartungen in eine Feedbackwirkung wurde völlig enttäuscht, meistens gab es kein Interesse, sich kritisch zu betrachten, bestenfalls erlebten wir eine unkritische, narzistische Betrachtungsweise. Bei unseren persönlichen Versuchen, mit Feedback zu arbeiten, scheiterten wir am subjektiven Erleben jeder Einzelnen sich selbst gegenüber und auch den anderen gegenüber, bzw. durch die Objektivierung beim Betrachten (d.h. das Medium zeigt verbale und körperliche Aktionen, die Emotionssituation lebt nur in der Erinnerung, einem vierten Betrachter ist sie nicht zugänglich). (...) Unser Anspruch, uns nicht als privilegierte MedienbesitzerInnen und als Autoritäten auf Grund unseres Wissens aufzuspielen, wurde von den Frauen unbewusst abgelehnt. Nur wenn wir ihre Mitarbeit strikt forderten, waren sie bereit dazu. Wir haben einen Punkt erreicht, wo man sich klar über die (wenn auch ursprünglich abgelehnte) Autoritätsrolle, die man spielen muss, ist. Der Anspruch der VideomacherInnen auf eine egalitäre, kommunikative Medienarbeit ist zu überprüfen."
Projektgruppe Videoschluchten

Die Produktionen aus unserem Medienarchiv sind älteren Datums und daher in verschiedenen Videoformaten oder nur als Ansichtskopie vorhanden.

Wenn sie Interesse an dieser Produktion haben, bitte kontaktieren sie uns unter office@medienwerkstatt-wien.at

Wir informieren sie dann gerne, ob und wie wir diese Produktion zur Verfügung stellen können.