Das Wunder von Hoheneich

Das Wunder von Hoheneich
Karin Berger

Österreich 1992, 24 min,
dt/ger

Einmal im Jahr, im September, findet in Hoheneich einer jener Land-Märkte statt, denen der Städter auf Sonntagsausflügen durch das Waldviertel häufig begegnen kann. Es sind Märkte, die ihren Reiz aus dem scheinbaren Durcheinander des Angebots beziehen, die mit der gleichen Sorgfalt allerlei Nötiges und Unnötiges zur Schau stellen, und deren Repertoire vom wohlbekannten Kopftuch-Sortiment bis zum indischen Gewürz reicht.
Karin Bergers "Wunder von Hoheneich" zeigt einen dieser Märkte als eine Reise in die Welt der Kindheitserinnerungen - als die Fülle eines Marktes für Kinderaugen noch eine "Offenbarung" und der Anlass des Marktes noch mit einem "Wunder" verbunden war. Das Wunder: In den Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts, als Reformation und Gegenreformation das Leben im Waldviertel bestimmten, hatte der reformierte Lehensherr die Kirche von Hoheneich unzugänglich gemacht; die Legende erzählt, dass 1621 eine Gruppe unerschütterlicher Gläubiger mittels Prozession um die Kirche herum das "zugemauerte" Eingangstor hatte einstürzen lassen: Das "Wunder" war geboren, die Gegenreformation hatte gesiegt, ein neuer Marien-Wallfahrtsort war ins Leben gerufen.
Heute ist das sakrale Ritual längst in den Hintergrund getreten, die alljährliche Prozession nimmt sich angesichts des regen Marktreibens nur mehr wie ein Nebenschauplatz aus. Was der Wunder- und Betgläubigkeit der Beteiligten jedoch keinen Abbruch getan hat, im Gegenteil: Als die Kamera dem liebevollen Schmücken der Marienfigur zuschaut, wird wie beiläufig erklärt, dass man das Ende des Eisernen Vorhangs vorausgesehen habe, denn man habe ja, durch regelmäßiges Rosenkranzbeten, die Öffnung der Grenzen gewissermaßen "erbet'".

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