"Juristische Körper - corporate identity project"
"Juristische Körper - corporate identity project"

Jörg Heitman/Philip Scheffner
Dogfilm Berlin, 1995, 50 min.


Ein Film zum Thema "Identität durch Papiere" in der Medienwerkstatt Wien

Die Abschottung eines Teils von Europa als "Binnenmarkt" mit "Außengrenzen", der trotzdem oder deshalb aufkeimende Nationalismus in den einzelnen Ländern, dazu die für uns nicht einmal vorstellbaren Flüchtlingsströme in und - wenn überhaupt möglich - aus der dritten Welt ( medienmäßig momentan präsent: Afrika).... Anlaß für eine Veranstaltung, mit der grundsätzliche Überlegungen angeregt werden könnten über die Art und Weise einer Ein- bzw. Ausgliederung von Menschen und deren Manifestation vor allem in Form von Reisepässen. Damit verbunden die Vergegenwärtigung des Menschenbildes, das hinter diesem "Ordnung machen" steht, nämlich als meßbare, kurz beschreibbare und nach vorgegebenen Skalen kategorisierbare Größe. Vielleicht auch kein Zufall, daß im Dokumentarfeature "Juristische Körper" der Berliner Filmgruppe Dog-Film hauptsächlich Männer als Vertreter der - durch technologische Utopien in ihrem Bemühen noch angeregten - Schutztrupps gegen Identitätsverwischung auftreten, auf seiten der Ausgestoßenen und damit offiziell Identitätslosen drei Frauen über ihre Lage Auskunft geben.

Der Paß markiert den Schnittpunkt zwischen physischem und juristischem Körper. Als Grenzfläche, auf der sich die Begriffe "Identität" und "Identifikation" überschneiden, übernimmt er die Rolle einer sozialen Haut. Das Verhältnis zwischen Paßaussteller (Behörde) und Paßinhaber (Individuum) ist klar definiert: "Dieser Reisepaß ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland". Er ist Teil einer weit verzweigten "Identifikationsmaschinerie", die sich der jeweils neuesten Technik bedient, um ihrem Auftrag, der Klassifizierung, Selektion und Verwaltung von Körpern gerecht zu werden. Von der Personenbeschreibung über Fotografie und Körpervermessung bis hin zu neuen wissenschaftlichen Methoden wie dem "genetischen Fingerabdruck" läßt sich eine Strategie ablesen, die darauf abzielt, politisch gesetzte "Grenzlinien" ins Innere des Körpers zu verlagern und sie so als "natürlich" erscheinen zu lassen. Der gesamte Körper wird als "juristischer Körper" definiert. Testpersonen für diese Kontrollmechanismen sind vor allem Flüchtlinge, die über keinerlei gesellschaftliche Lobby verfügen: "Für mich ist es so, als ob ich in einer Welt lebe, die gar nicht existiert, das heißt, daß ich an einem Ort bin, an dem ich absolut nicht sein darf...mehr so, als ob ich schweben würde..." (Dog-Film)

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