Der Pannwitzblick

 
 
 

 
 
 
 
 
 
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Der Pannwitzblick

 
Didi Danquart
 
Deutschland 1991, 90 min, dt/ger
Inhalt    Mediaclip     

Ausgangspunkt des Films ist eine Notiz des italienischen Schriftstellers Primo Levi, der darin seine Begegnung mit dem deutschen KZ-Arzt Pannwitz beschreibt, der ihm, dem Auschwitz-Insassen, vom Schreibtisch aus den Tod verordnete, und dessen Blick Levi Zeit seines Lebens wie ein Symbol des Grauens verfolgen sollte: "Könnte ich aber bis ins letzte die Eigenart jenes Blicks erklären, der, wie durch die Glaswand eines Aquariums, zwischen zwei Lebewesen getauscht wurde, die verschiedene Elemente bewohnten, so hätte ich damit auch das Wesen des großen Wahnsinns des Dritten Reiches erklärt." Der Pannwitzblick folgt diesem Gedanken und versucht, Analogien in der Gegenwart aufzuzeigen und Kontinuitäten zu beschreiben; eine Forschungsreise, deren erste Station Nazi-Propagandafilme der 30er Jahre sind: Ausschnitte aus populär-wissenschaftlichen Dokumentationen des "Rassenpolitischen Amts" der NSDAP ("Das Erbe") und melodramatisch zugespitzten Spielfilmen ("Ich klage an"), die vor ideologischer Zielrichtung förmlich bersten, und in denen der Umgang mit den "Erbkranken" und die Frage nach der "reinen Rasse" verhandelt werden. Später sieht man Bilder einer Werbe-Dokumentation für Armprothesen, die am Beispiel eines Contergan-geschädigten Mädchens demonstriert werden; die legendären ersten Körpervermessungen Edward Muybridges und ein Video-Dokument der "Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben". Die historische "found footage" wird konfrontiert mit Porträts zweier Spastiker und einer Contergan-Behinderten, deren filmische Präsentation die üblichen Klischees des Behinderten-Reports unterläuft: In Räumen präsentiert, die nichts mehr mit Außergewöhnlichem zu tun haben (der Arbeitsplatz, ein Schwimmbad, ein Getreidefeld), wird ihnen eigenes Handeln zugestanden.