Tibet Revisited

 
 
 

 
 
 
 
 
 
 

 

Tibet Revisited

 
Manfred Neuwirth
 
Tibet, Österreich 2005, 86 min, no dialogue

Gebet und Gymnastik
 
In „Tibet Revisited“ zeigt der Dokumentarfilmer Manfred Neuwirth, wie sehr sich der kulturelle Konflikt am Himalaya in den letzten Jahren verschärft hat. Und dabei gelingt ihm wieder ein unvergesslicher Kinomoment.
Selten, aber doch, gibt es Momente im Kino, die einem unvergesslich bleiben. So geschehen in „Tibetische Erinnerungen“, dem Mitte der Neunzigerjahre entstandenen Reisejournal von Manfred Neuwirth. Ansichten von Landschaften wechselten mit Impressionen aus dem Alltagsleben, inklusive einer Szene, in der chinesische Soldaten in voller Montur eine Demonstration zerstreuen. Dann, mitten im Film, tauchte wie aus dem Nichts plötzlich das Bild einer lachend picknickenden Großfamilie auf.
„Tibet Revisited“, die im Frühjahr auf der Diagonale uraufgeführte jüngste Arbeit des österreichischen Filmemachers, steht in loser Nachfolge zu dem vor zehn Jahren realisierten Werk. Der kulturelle Konflikt, das zeigt der neue Film deutlich, hat sich in der Zwischenzeit durchaus noch weiter verschärft. „Lhasa“, so Neuwirth im Gespräch, „ist heute eigentlich komplett chinoisiert, die Tibeter sind da schon eindeutig in der Minderheit.“ Gleichwohl spürt man in fast jeder Sequenz immer noch die ungeheure Präsenz des traditionellen geistigen Lebens. Eine zeigt ein paar Gläubige, die sich auf dem Heimweg von ihrer Arbeit vor dem einstigen Palast des Dalai-Lama zum Gebet niederwerfen, derweil auf der Straße, gleich hinter ihnen, ein steter Fluss aus Passanten und Radfahrern, Mopeds und Kleinwägen vorüberzieht.
Neuwirth, der beileibe kein Formalist ist, geht in seinen Filmen dennoch sehr bewusst mit Gestaltungsformen um. „Tibet Revisited“ besteht aus einer Reihe durch Schwarzfilm voneinander abgesetzten Tableaux vivants, wobei jede der insgesamt 28 mit starrer Kamera und Einstellungsgröße aufgenommenen Szenen jeweils exakt drei Minuten dauert. Kommentar gibt es keinen. Während das Fernsehen unablässig Bilder verschleißt und beliebig mit Tönen kombiniert, um den Gebührenzahlern seine Interpretation der Welt gleich mitzuliefern, lässt der Filmemacher die Bilder und Töne, die er findet, ganz für sich alleine stehen.
Dass sie auch „bestehen“, hängt nicht zuletzt vom Betrachter ab. Mit einer Radikalität wie sonst nur der amerikanische Avantgarde-Dokumentarist James Benning setzt Manfred Neuwirth hier auf eine „Montage der Kontemplation“. Wer sich auf den Film einlässt, lernt im Kino tatsächlich sehen. Das markiert auch den wesentlichen Unterschied zu „Tibetische Erinnerungen“, der noch mit gewissen kleinen Verschiebungen zwischen Bild und Ton arbeitet. Den quasi unbearbeiteten Sequenzen von „Tibet Revisited“ sind derlei Verschiebungen bereits inhärent, wie das unablässige Plärren arg lädierter Radiolautsprecher auf den Marktplätzen oder das Läuten eines Mobiltelefons während eines Gebets bezeugen. „Wenn so verschiedene Zeiten und Kulturen aufeinanderprallen, gibt es naturgemäß Entwicklungen, die sowohl vom Bild wie vom Ton her ungemein spannend sind.“, sagt Neuwirth: „Es wird zum Beispiel immer lauter. Deswegen sind die Eindrücke aus dem Großraum Lhasa stärker über die Tonspur definiert, weil sich die Werbung und mit ihr dieser ‚großstädtische Sound’ dort schon ganz klar durchgesetzt hat.“
Die vielfältigen Konflikte zwischen traditionell geprägten Lebensformen und einbrechender Moderne arbeitet der Filmemacher, gleichermaßen souverän wie subtil, durch die Anordnung der einzelnen Tableaux heraus; dem Gebet vor dem Palast geht eine Szene voraus, in der Angestellte eines chinesischen Konzerns in aller Eile ihre obligatorische Frühgymnastik erledigen. In den Straßen von Lhasa zeugen Jeans, Coca-Cola und Popmusik vom Fortschritt der Globalisierung, am Land vor allem neue Fabrikbauten, befestigte Strassen und ständig wachsendes Verkehrsaufkommen.
Stärker noch sind diejenigen Bilder, die sich nicht ohne weiteres entziffern lassen. Eines zeigt eines Klostergang, der nur durch den Gesang eines Mönches aus dem Off überhaupt als solcher zu identifizieren ist; ein anderes, vollkommen hypnotisches Bild, zeigt nichts als einen sich gleichförmig drehenden Mahlstein. Dass es sich dabei um eine archaische Gerätschaft handelt, der zudem noch eine immense kulturelle Bedeutung zukommt („er mahlt Gerste, sozusagen das Hauptnahrungsmittel von Tibet“, so der Filmemacher), braucht man keineswegs zu wissen, damit sich alle Sinne auf den Rhythmus dieser leiernden Bewegung umstellen.
„Tibet Revisited“ verweigert, wie alle Filme von Manfred Neuwirth, jede aufgesetzte Didaktik, seine Argumentation ist eine der Form, der Konzentration, der Poesie. Weder geht es darum, irgendwelche Thesen zu illustrieren, noch sich selbst als globetrottenden Teufelskerl in Szene zu setzen. Mit den heimischen Dokumentarfilmboomern hat sein Werk nur am Rande zu tun, mehr schon mit dem Kino eines Benning oder Romuald Karmakar.
Mit seiner letzten Sequenz, einer Fahrt über Land, hebt der Film unerwartet noch einmal völlig ab. Über die Straße, die im funkelnden Licht des Hochlandes daliegt, donnern ausländische Schwerlaster heran, während die einheimischen Kleinhändler mit ihren urtümlichen Gefährten unbeirrt weiter den Straßenrand entlangtuckern. Ein unvergesslicher Moment. Michael Omasta, Falter

28 Aufnahmen aus einem besetzten Land
 
Manfred Neuwirths formal strenges und zugleich ungemein beredtes Filmdokument "Tibet Revisited" im Kino
 
Wenn einer eine Reise tut, dann erzählt er nachher meist bevorzugt über sich selbst. In den Berichten danach und in den Bilddokumenten, die dann gezeigt werden, geht es ja meist weniger um das, was war oder ist, sondern wie und warum der Reisende in seiner spezifischen Befindlichkeit etwas wahrgenommen hat. Der Wiener Videomacher Manfred Neuwirth weiß um solche Beschränktheiten, erst recht, wenn es um ein Land geht, das derart inständig romantisch interpretiert und gutmenschenhaft hochstilisiert wird wie Tibet.
Den gängigen Breitwand-Diavorträgen mit nachfolgender Dalai-Lama-Lektüre hält Neuwirth, der vor zehn Jahren schon Tibetische Erinnerungen filmte, nun ein formal strenges und zugleich ungemein beredtes Dokument entgegen. Tibet Revisited - 28 weit gehend statische Einstellungen in der Länge von jeweils etwa drei Minuten: spielende Kinder, eine Rollschuhbahn, ein Stadttor, und am Ende eine Fahrt in einem trügerisch verwechselbaren Nirgendwo. Wobei drei Minuten Dauer pro Aufnahme länger klingt, als es tatsächlich ist. Im Detailreichtum der einzelnen Bilder und der mit ihnen einhergehenden O-Töne muss man sich erst einmal orientieren - und weiß am Ende doch nicht "Bescheid", erst recht nicht vor dem Hintergrund, den Neuwirth wortkarg vorgab, als er heuer bei der Diagonale sagte: "Dies ist ein Film aus einem besetzten Land."
 
Tibet Revisited wird insofern weniger zur Analyse eines prekären politischen und sozialen Spannungsfeldes als vielmehr zu einer Einübung in eine genauere Wahrnehmung. Ein grandioser kleiner Film, der im "Fremden", Undurchschaubaren zeigt, welche Klischees man nicht zuletzt auch für Beschreibungen des Eigenen strapaziert.
Claus Philipp, Der Standard 17./18.12.2005

Blicklustreise
 
28 ruhige Einstellungen zu je präzise drei Minuten: so blickt der österreichische Medienkünstler und Filmemacher Manfred Neuwirth auf eine Welt, die er kennt – und dennoch ganz vorurteilsfrei staunend betrachtet. Das gegenwärtige Tibet, wie es Neuwirth vorführt, ist ein zwischen Spiritualität und Banalität gespaltenes Land: Das Alltagsleben in den Tempelanlagen hat hier selbstverständlich denselben Wert wie der Trubel in Entertainment-Zentren. Neuwirth erklärt und kommentiert nichts, er zeigt nur, ohne die Worte zu übersetzen, die er einfängt, und groß auf die politischen Subtexte seiner Bilder zu verweisen. Die Freiheit, die er seinem Zuschauern damit zugesteht, ist unerhört. „Tibet Revisited“ ist ein nicht so sehr meditativer als sinnlich herausfordernder Film, ein Musical ohne Kulissen, Schauspieler und Partitur: eine Blicklustreise aus gewaltigen Bildern und Klängen.
Stefan Grissemann, profil

Geheimnis ohne Exotik
Manfred Neuwirths "Tibet Revisited".
 
Die ungeschnittene Einstellung ist eines der stärksten Mittel des Dokumentarfilms, durch Insistieren wird der Kontakt mit den Subjekten, der Welt vor der Kamera, intensiviert. Aktuelle Dokumentar-"Hits" möchten das oft vergessen machen: Vorauseilender Gehorsam gegenüber einem vermeintlich TV-Aufmerksamkeitsspannen verfallenen Publikum verführt dazu, Szenen auf angebliche "beste Momente" zu reduzieren. Zu sehen derzeit etwa in der Oscar-favorisierten Tanzschul-Wettbewerbs-Doku Mad Hot Ballroom: Nicht nur wirkt sie wie ein Werbefilm für die Schulen, die besten Momente sind kompromittiert. Wenn in Dialogen lernender Kinder soziale, kulturelle Einsichten auftauchen, so nur als schlagfertige Soundbites. Vom Umfeld, den Spannungen, aus denen sie entstehen, erfährt man in verknappter "Entertainment"-Form fast nichts.
 
Wie Balsam wirkt da die erste Szene von Manfred Neuwirths faszinierendem neuen Dokument Tibet Revisited: Ein starrer Bildausschnitt zeigt ein Stück Trampolin, auf dem Kinder hüpfen und spielen. Kein Kommentar, keine Erklärung, drei Minuten vom Leben in Tibet, die Einsichten werden dem Zuseher überlassen. 27 weitere unbewegte, unkommentierte Drei-Minuten-Einstellungen folgen: eine Übung in Konzentration. Das mag experimentell und abstrakt klingen, ist aber absolut fesselnd und konkret.
 
Szenen unüblicher Kontemplation (das leiernde, bald hypnotische Mantra eines gleichmäßig gedrehten Mahlsteins) wechseln mit solchen, die Spannungen im modernen Tibet unaufdringlich, aber klar erfassen. Gläubige werfen sich vorm einstigen Dalai-Lama-Palast wieder und wieder zu Boden, während das Handy eines Passanten läutet. Davor: Angestellte eines chinesischen Konzerns bei der Morgengymnastik.
 
Der Reichtum von Tibet Revisted verdankt sich nicht nur der Dialektik der Einstellungen, auch der sublimen Schönheit der gewählten Bilder und vor allem: Töne. Wenn am Ende eine wunderbare Überlandfahrt (die starre Kamera vorn aufs Auto montiert) kommt, ist das nicht nur ekstatische Bewegungserfahrung, sondern auch Erinnerung daran, wie flüchtig und vielschichtig die Eindrücke zuvor waren: Sie bieten Geheimnis ohne Exotik.
Christoph Huber, Die Presse 05.12.2005

Manfred Neuwirth unternimmt eine weitere seiner faszinierenden filmischen Expeditionen: ein Bekenntnis zur Konzentration, das zum Überdenken von Wahrnehmungen einlädt.
 
Bilder, die schwindlig machen: Eine Gruppe junger Burschen springt auf einem bunt gescheckten Trampolin, schreit, lacht, bellt in die Kamera, die sich nicht rührt, ohne Regung beobachtet, fast schon leidenschaftslos dieses Treiben in sich aufnimmt. Minutenlang. Bis die Bilder sich vom Dargestellten zu lösen scheinen, Farben zu wogen beginnen, der sture Naturalismus in einen magischen Realismus mündet, der die Selbstverständlichkeit der gemeinen Wahrnehmung durchdringt. In 28 strengen, von einer unbewegten Kamera gefilmten Tableaus fängt der Wiener Dokumentar- und Experimentalfilmer Manfred Neuwirth in seinem jüngsten Film tibetanischen Alltag ein in einer denkbar reduzierten Form, die er zu einer unreduzierten Expression führt. Wenn Neuwirth, teils mikroskopisch nah, teils aus einiger Entfernung, menschliche und natürliche Verrichtungen filmt, erwächst aus seinem quasi-ethnologischen Blick und seinem Bekenntnis zur Konzentration ein schillerndes Kaleidoskop tibetanischer Tatsachen, das zwischen gebetsmühlenartig sich drehenden Mühlsteinen und plärrende Marktlautsprechern, plätschernden Gewässern, Maschinen und Menschen oszilliert. Das Abwechslungsreiche dieser Bilder, das Moderne ebenso einschließt wie Tradition, verhindert zugleich ihr Abgleiten ins rein Meditative, in eine exotisch schöngefärbte Priesterlichkeit. Diese Bilder sind, mal mehr, mal weniger, immer auch politisch, zeigen ganz konkret, wie es sich lebt in diesem Land. Zudem sind diese Bilder ungemein cinematisch. Neuwirth präsentiert seine Tableaus in strahlendem Cinemascope, das durch das schiere Format und Leuchten seiner Farben die Alltagsbilder mit einer unmittelbaren Künstlichkeit auflädt und den Dokumentar- zum Avantgardefilm erhebt. Dem trägt auch der kristallklare Surround-Ton Rechnung, dessen Raumklang die Bilder selbst ebenso erhellt wie ihre Rückseite, ihr Daneben, das Nicht-Sichtbare. Dass Neuwirth seine Tableaus mit einem schwarz schattierten man ist versucht zu sagen: schleierhaften Rahmen versieht, verhilft dem Film zu einem berückend traumhaften Gestus: das Alltägliche, denkbar objektiv Gefilmte offenbart hier seine suggestive Pracht, in flüchtigen Farben und Formen, die ein Tor zur Welt sein könnten egal, wo diese Welt nun liegt, ob im Himalaya, in Wien, oder bloß im Auge des Betrachters.
Sebastian Hofer, Ray

Tibet ist klein, unwegsam und arm. Es gibt dort keine kilometerlangen Sandstrände, kein tiefblaues Meer, keine Wellness-Landschaften. Und doch ist Tibet ein Traumziel für Tausende, wenn auch nur wenige den Traum in die Tat umsetzen. Aber das ist nicht so wichtig. Tibet ist das gelobte Land des Geistes und der Seele, dort, wo wahrscheinlich die Erlösung wohnt. Ein Land, das vielen ganz nah am Herzen liegt, auch wenn sie es nie mit eigenen Augen gesehen haben. Der österreichische Medienkünstler und Filmemacher Manfred Neuwirth hat Tibet gesehen, und das schon mehrmals. Etwa eine Dekade nach seinem filmischen Reisejournal Tibetische Erinnerungen verarbeitet er aufs Neue seine innige Beziehung zu diesem fernen Land der Widersprüche. Und wie schon der unauffällig visionäre amerikanische Filmemacher James Benning bedient sich auch Neuwirth hier einer ganz strengen Formvorgabe, um dadurch den Inhalt noch stärker wirken zu lassen: In insgesamt 28 Einstellungen, jede mit völlig statischer Kamera aufgenommen, zeigt er Szenen des tibetischen Alltags. Und diese 28 Panoramen setzen sich im Laufe des Films zu einem kompakten Ganzen zusammen – einem stimmigen Porträt eines geheimnisumwobenen Landes und seiner Menschen, endlich einmal ganz ohne Eso-Brille und Buddhismus-Schwärmerei, ohne Kultur-Kult und Politik-Polemik. Neuwirth lässt die Bilder für sich selber sprechen. Sie haben schließlich genug zu erzählen.
Gini Brenner, Skip 12/05

Zehn Jahre nach seinen "Tibetischen Erinnerungen" hat sich Regisseur Manfred Neuwirth wieder in dieses Land begeben. In "Tibet Revisited" fängt er in 28 Szenen das Leben in und um Lhasa ein. Diestatische Kamera vermittelt ein sehr persönliches Bild des tibetischen Alltags, zeigt den Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Doch noch stärker als die Bilder spricht die Geräuschkulisse, die diese quasi zum Leben erweckt. Wer sich gerne in neue (Geistes-)Welten begibt, für den ist "Tibet Revisited" der richtige Ort dafür.
Christina Mondolfo, Wiener Zeitung

Mit "Tibetische Erinnerungen" hat Manfred Neuwirth 1995 erstmals seine sehr persönliche Form eines filmischen Reisejournals vorgestellt: 35 gleich lange, mit statischer Kamera gefilmte Aufnahmen in Zeitlupe, die den magischen Moment im Alltäglichen suchen. Mit "Tibet revisited" kehrt er zum Ausgangspunkt seiner Reise zurück.
 
Seine Ästhetik entwickelte er im zweiten und dritten Teil seiner "[ma]-trilogie" weiter, die ihn 1998 nach Japan ("manga-train") und 1999 ins Niederösterreich seiner Kindheit ("magic hour") führte. Mit "Tibet revisited" führt Neuwirth den Zuschauer zurück und damit auch hin zu einer vielschichtigen Wahrnehmung und erweiterten Welt-Anschauung.
 
Ein leuchtendes Kaleidoskop von Alltags-Impressionen aus Lhasa und Umgebung, ein vielfältiges Spektrum optischer und akustischer Moment-Aufnahmen in Breitwand-Format und Surround Sound: Markt- und Straßenszenen, Menschenmengen und Landschaften, religiöse Rituale, Handwerk und Freizeitvergnügen.
 
Die 28 mehrminütigen Sequenzen fügen sich zu einem - wiewohl hier nicht mehr künstlich verlangsamten - kontemplativen Bild- und Klang-Fluss, der den Wandel Tibets unter der chinesischen Besatzung reflektiert. Die Brücke zwischen den einzelnen Einstellungen kann inhaltlich wie formal sein, ein Motiv, ein Geräusch, eine Bewegung oder auch nur eine Lichtstimmung oder ein Gefühl.
 
Auf spielende Kinder etwa folgt die Großaufnahme eines traditionellen Würfelspiels, ein kreisender Mühlstein nimmt die Bewegung einer davor montierten Rollschuh-Halle auf, ein rauschender Fluss jene eines Menschenstroms durch einen Basar. Und mitunter ist die Verknüpfung der Szenen so zart wie die Schnur jenes Papierdrachens, dem ein Wettkampf schattenboxender Mönche vorangeht. Neuwirth präsentiert magic moments en passant - nicht nur im fernen Tibet.
Oberösterreichische Nachrichten