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Actual Reality

 
Holger Lang
 
Österreich 2000, 7:30 min
 
Mein Film ist eine kurze Szene, welche als Loop endlos laufen könnte, hier aber nur einmal abläuft: Ein Mann schläft, steht auf, putzt seine Zähne, setzt sich an den Computer, schaltet diesen ein und surft im Internet, dann steht er auf, legt sich ins Bett und schläft weiter. Dieser minimale Handlungsstrang ist von einer Bild- und Toncollage überlagert, welche die überwältigend große Flut an Informationen, Bildern, Eindrücken, Geräuschen und Musikstücken, der wir im Alltag wie im auch im Internet ausgesetzt sind, widerspiegelt. Wie in einem Traum gehen Bilder ineinander über und verschwimmen im Kopf. Ob der Mann in meinem Film wirklich munter geworden ist, oder ob er nie aufgestanden ist und alles nur geträumt hat, hat kaum Bedeutung, da die Ähnlichkeit der überschwemmenden Flut der Eindrücke in beiden Situationen groß ist. Die Frage, ob Bilder tatsächlich erlebt oder nur erinnert werden, ob die Eindrücke real oder imaginär sind, wird von der Masse der Bilder und Eindrücke unbeantwortet beiseite gedrängt. In einer digitalen Bearbeitung der einzelnen Filmbilder wurden verschiedene Bildquellen mit der eigentlichen Szene so stark vermischt, dass die erkennbaren Grenzen der Bildinhalte verloren gehen. Über mehrere Tage wurden Web-Cam Bilder von weit entfernten Orten der Welt aus dem Internet geladen. Hunderte Einzelbilder von zahllosen Web-Sites wurden gesammelt, auch digital überarbeitete Fotos von verschiedenen Landschaften aus verschiedenen Ländern wurden angepasst und Bild für Bild überlagert. Der akustische Hintergrund ist eine Toncollage aus Teilen eines Songs mit dem Titel biocyberology. Der Clip wurde wie ein Animationsfilm aus den bearbeiteten Bildern wieder zusammengesetzt. Die Frage danach, was in unserer Welt noch ‚scheinbar‘, ‚virtuell‘ und was ‚real‘, ‚wirklich‘ ist, bleibt offen. Der von einer Informations-flut überforderte Mensch drückt ebenso wie der träumende Schläfer die Einheit und Gleichzeitigkeit aller inneren und äußeren Zustände aus.