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Gesamtliste A-Z

VIDEO EDITION AUSTRIA release 01
Gesamtprogramm

 

DVD 1

Confrontation
Byketrouble
One Minute Sculptures
Rauchen
3 Stücke aus Lucy, Jenny & Me
Jetzt gehöre ich zu euch
Dancing with remote
Treid
Der Schlaf der Vernunft
 
Moving
36
See You See Me
Me/Ju
Notdef./Version One
Perceptive Faculty 2
Crossover
Aus
Actual Reality
Mass M.O.C.A
Lover's Walk

 

DVD 2

Narration
Grüss Gott! Österreich
Der graue Star Die Wehrmacht
Backspace
War Games
War Requiem. Liebe & Anarchie
Trying to remember to forget
Es
Carrousel Deux
Manga Train
Space
Studio
ID.Remix
Catch in the Cage
Tür 14 - Reading in absence
Welldone

 

DVD 3

Reflections
Japanische Briefe
Driven
Die rote Zora
#1:<Common.Places>
Was tun?

 

DVD 4

Travelogue
Was übersetzt ist noch nicht angekommen
The alternative Tokyo Trilogy Part 2: Sir Elton
Indicatore-Project
Paranormal
€ 59,90 + Versandkosten

 

Byketrouble

 
Carola Dertnig
 
Österreich 1998, 5:18 min
 
Byketrouble ist ein Teil einer Videoserie. Frau mit Fahrrad betritt Lift. Frau müht sich ab den Lift mit Fahrrad zu verlassen. Ein Geschäftsmann steht ihr dabei im Weg.

 

Dancing with remote

 
Carola Dertnig
 
Österreich 1997, 5:25 min
 
In Dancing with Remote tanze ich in meinem Studio vor meiner Videokamera mit der Fernbedienung in der Hand zu verschiedenen Techno-Sounds. Ich bediene den Ein- und Ausschaltknopf der Fernbedienung und bestimme dadurch den Schnitt. Ich sample in der zufälligen Komposition des täglichen Tanzens und Zappens meinen eigenen Videotrack. Diese Arbeit ist der erste Teil der dreiteiligen Videoarbeit Dancing with Remotes, in der ich eine Gruppe von Freunden einlade, mit je einer Fernbedienung vor der Videokamera zu tanzen und sich so die Kontrolle zu teilen. Das Video wird zum kollektiven Produkt - indem die AkteurInnen durch das Ein- und Ausschalten der Kamera den Videoschnitt bestimmen und die Musik des ebenfalls dazu eingeladenen DJ's zerhacken. Constantin Wulff

 

Der Schlaf der Vernunft

 
Michaela Pöschl
 
Österreich 2000, 13:48 min
 
Das Video zeigt mein Gesicht. Es gibt weder Kamerabewegungen noch Schnitte. Meine Augen blicken in die Kamera, bis ich ohnmächtig werde. Der Schlaf der Vernunft dokumentiert nicht die im Oktober 1998 inszenierten Schläge. Die Aktion war die Realisation eines Bildes. Als Kunsthistorikerin interessiert mich eine Produktion von Text, die meinem Körper Raum gibt. Mich interessiert ein Denken, das an diesem Körper ansetzt. Die Kunstgeschichte ist eine Disziplin, die die Schreibenden traditionell auf den körperlosen, ‚neutralen‘ Blick festgelegt hat. Es war dieser Rahmen mit seinem repressiven Bild von Sprache, der mich meinen Körper als Grenzlinie zwischen einer Geschichte von Kunst (mir selbst) und Kunst (meinem Objekt) begreifen ließ. Als Video- und Performancekünstlerin arbeite ich mit/auf Grenzen. Unter ‚Grenze‘ verstehe ich die im Rahmen unserer Kultur künstlich gezogenen Trennlinien zwischen Intellekt und Körper, dem Begrenzten und dem Ausgegrenzten, dem klar definierten Selbst und dem Anderen. Ich mag Grenzen als Orte des Weder-noch bzw. des Sowohl-als-auch, als Orte, wo scheinbar eindeutige Positionierungen hinterfragt werden müssen. Der Schlaf der Vernunft stellt Fragen. Das Video handelt u.a. von der Interaktion mit dem Blick der Kamera/dem Publikum. Es handelt vom Akt des Sehens, der ein Akt des Begreifens sein will. Vom Blick ins Leere, der immer ein Blick ins Selbst ist. (Michaela Pöschl 2000)

 

Jetzt gehöre ich zu Euch

 
Franz Wassermann
 
Österreich 1997, 8:14 min
 
Maikäfer sind Schädlinge. Sie tauchen nur alle fünf Jahre im Mai in Schwärmen auf und fressen die jungen Triebe der Bäume. Maikäfer sind heute vom Aussterben bedroht. In meiner Kindheit gehörte das Ritual einem Maikäfer den Kopf abzubeissen zur Bedingung, um in der Bande aufgenommen zu werden.

 

Drei Stücke aus Lucy, Jenny & Me
9 Shortcuts

 
Terese Schulmeister
 
Österreich 1994/99, 6:33 min (3 Stücke aus 2 Videos)
 
Lucy, Jenny & Me: In den Aktionen, die in Lucy, Jenny & Me zusammengefasst sind, geht es um die Darstellung von Verführung und Begehren. Psychologische Verhaltensmuster und Rollenklischees zwischen Frau und Mann werden slapstickartig dargestellt.
9 Shortcuts: 9 Aktionen, die sich mit der Genderfrage auf humorvolle und ungewöhnliche Weise auseinandersetzen.

 

One Minute Sculptures

 
Erwin Wurm
 
Österreich 1997, 14:51 min (Excerpt)
 
Diese Skulpturen sind schon passiert, sie haben sich bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Bremen und Wien ereignet. Ihre reale, materielle Erscheinung ist bereits Vergangenheit. Übrig geblieben ist ein Video, das den Entstehungsprozess dokumentiert, einschließlich der gescheiterten Versuche. Das Resultat ist ein typisches Produkt der Überlegungen Erwin Wurms. Es geht Erwin Wurm um die Dokumentation einer Idee, die Möglichkeit, im Denken wie im Handeln Skulpturen zu erproben und gegebenenfalls erneut zu reproduzieren. Die Fotos und das Video lassen sich wie ein Skizzenbuch lesen, wie eine Handlungsanweisung zur Herstellung der 48 Skulpturen. Es sind äußerst ökonomische Modelle, mit minimalen Mitteln produziert. Das Ereignis ist einfach strukturiert und leicht rekonstruierbar. Der benutzte Gegenstand und die damit gekoppelte Handlung gehen eine philosophische Dimension ein und verweisen auf Verletzbarkeit und Kurzlebigkeit als neue Qualitäten. Die Skulpturen entstanden im Künstlerhaus Bremen und im Wiener Atelier, jeweils mit ihm selbst sowie mit anderen Personen und Gegenständen aus dem unmittelbaren Umfeld. Die verschiedenen Positionen wurden entweder auf Video aufgenommen oder fotografiert (Selbstauslöser).

 

Rauchen

 
Halt+boring
 
Österreich 2000, 8:14 min (loop)
 
Arm in Arm sitzen wir da und rauchen uns an.

 

Treid

 
Constantin Wulff
 
Österreich 1999, 11:55 min
 
Treid, niederösterreichisch für Getreide, ist der Titel eines Tanzstücks des Wiener Choreographen und Tänzers Willi Dorner, in dem eine Vater-Sohn-Beziehung im bäuerlichen Milieu gezeigt wird. Von den insgesamt sechs Tanzminiaturen des Bühnenstücks bildet das zentrale Männerduett - getanzt von Willi Dorner und Chris Haring - das Material zum eigens entwickelten Tanzfilm. Mittels Nahaufnahmen fragmentiert der Film Treid die Bewegungsabläufe, um so ihre Intensität darzustellen. Hände sind ein Leitmotiv: Hände, die halten, stützen, führen oder fallen lassen, Hände, die Abhängigkeit ausdrücken. Zu diesem Männerduett stand zu lesen: "Der Tanz verdeutlicht - zur Musik von Henryk M. Gorecki - den Generationenkonflikt. Spannend und dynamisch werden in abstrahierter Form Disziplinierungsversuche und Dominanzverhältnisse dargestellt." (Der Standard, Wien)

 

36

 
Norbert Pfaffenbichler, Lotte Schreiber
 
Österreich 2001, 2:05 min
 
das video 36 von lotte schreiber und norbert pfaffenbichler (sound: stefan németh) ist eine streng mathematisch-grafische komposition basierend auf der titelgebenden zahl. alle elemente inklusive der dauer sind als variablen dieser ausgangszahl begründet. drei scheinbar voneinander unabhängige wahrnehmungsfelder werden durch den bildsynchronen ton von stefan németh verbunden. im linken feld 36 vertikale und horizontale weisse linien, die verschiedene bewegungsmuster nach dem prinzip eines binären digitalen ordnungssystems (0=senkrecht, 1=waagrecht) durchlaufen, ehe sie sich letztlich zu sechs quadraten vereinen, die wiederum als projektionsflächen für amorphe laufbildminiaturen dienen. im rechten bildteil eine palette, deren einzelne farbflächen - die an gerhard richter erinnern - sich zu immer neuen mischungen und kombinationen verändern, als wären sie der steuerung durch ein elektrisches relais unterworfen. an der basis des bildes schließlich zwei einander eingeschriebene quadrate, die in sich fortlaufend die zeitliche achse des videos abbilden. ähnlich einem metronom geben sie den grundrhythmus vor, bewegen sich dabei aber linear dem sichtbaren endpunkt entgegen.
36 verweist sowohl auf ästhetische traditionen der abstrakten malerei als auch auf strukturelle ansätze des frühen geometrischen films, etwa eines walther ruttmann oder hans richter. zugleich eröffnen sich assoziationen an frühe videospiele mit ihren reduzierten, nur den hauptachsen folgenden bewegungsmöglichkeiten. beim betrachten von 36 entwickelt sich eine unglaubliche spannung und konzentration, die nicht zuletzt in der klarheit des konzepts und der reduktion der mittel begründet liegt. (gerald weber)

 

Actual Reality

 
Holger Lang
 
Österreich 2000, 7:30 min
 
Mein Film ist eine kurze Szene, welche als Loop endlos laufen könnte, hier aber nur einmal abläuft: Ein Mann schläft, steht auf, putzt seine Zähne, setzt sich an den Computer, schaltet diesen ein und surft im Internet, dann steht er auf, legt sich ins Bett und schläft weiter. Dieser minimale Handlungsstrang ist von einer Bild- und Toncollage überlagert, welche die überwältigend große Flut an Informationen, Bildern, Eindrücken, Geräuschen und Musikstücken, der wir im Alltag wie im auch im Internet ausgesetzt sind, widerspiegelt. Wie in einem Traum gehen Bilder ineinander über und verschwimmen im Kopf. Ob der Mann in meinem Film wirklich munter geworden ist, oder ob er nie aufgestanden ist und alles nur geträumt hat, hat kaum Bedeutung, da die Ähnlichkeit der überschwemmenden Flut der Eindrücke in beiden Situationen groß ist. Die Frage, ob Bilder tatsächlich erlebt oder nur erinnert werden, ob die Eindrücke real oder imaginär sind, wird von der Masse der Bilder und Eindrücke unbeantwortet beiseite gedrängt. In einer digitalen Bearbeitung der einzelnen Filmbilder wurden verschiedene Bildquellen mit der eigentlichen Szene so stark vermischt, dass die erkennbaren Grenzen der Bildinhalte verloren gehen. Über mehrere Tage wurden Web-Cam Bilder von weit entfernten Orten der Welt aus dem Internet geladen. Hunderte Einzelbilder von zahllosen Web-Sites wurden gesammelt, auch digital überarbeitete Fotos von verschiedenen Landschaften aus verschiedenen Ländern wurden angepasst und Bild für Bild überlagert. Der akustische Hintergrund ist eine Toncollage aus Teilen eines Songs mit dem Titel biocyberology. Der Clip wurde wie ein Animationsfilm aus den bearbeiteten Bildern wieder zusammengesetzt. Die Frage danach, was in unserer Welt noch ‚scheinbar‘, ‚virtuell‘ und was ‚real‘, ‚wirklich‘ ist, bleibt offen. Der von einer Informations-flut überforderte Mensch drückt ebenso wie der träumende Schläfer die Einheit und Gleichzeitigkeit aller inneren und äußeren Zustände aus.

 

Aus

 
Norbert Pfaffenbichler, Lotte Schreiber
 
Österreich 1998, 42:07 min
 
Aus den unterschiedlichsten Ausschnitten schaffen Skot zu der Musik von Christian Fennesz ein Kaleidoskop der Welt der bewegten Bilder. Mittels Irritationen und Überlagerungen stellen sie die Manipulierbarkeit und die Fragilität des Filmmaterials in den Vordergrund. (BBU)

 

Crossover

 
Hofstetter Kurt, Barbara Doser
 
Österreich 1995, 7:15 min
 
Ein Kreuzungspunkt als Quelle pulsierenden Lichts, an dem sich Messages von und für Sarajevo begegnen. Ein Video, das in Erinnerung an das telematische Live-Radio-Event Changing Messages Parallel Crossover von Hofstetter Kurt, Norbert Math und Barbara Doser enstanden ist und von »Transit« in Kooperation mit dem ORF organisiert wurde. Am 16. 3. 1995 waren Musiker in Sarajevo (Miroslav Maraus, Igor Camo im Studio RTV BiH) mit Musikern in Innsbruck (Norbert Math, Hofstetter Kurt im Sendesaal ORF Tirol) über eine Satellitenverbindung und Telefonleitungen miteinander verbunden und spielten in einem Konzert zusammen. Dabei wurden akustische Messages für Sarajevo, produziert von Künstlern aus aller Welt, und Messages für die Welt, produziert von Künstlern aus Sarajevo, als Klangmaterialien verwendet. Das Konzert war unter anderem in einer Video-Infrarot-Sound-Installation im großen Sendesaal des ORF Landesstudio Tirol live visuell und akustisch miterlebbar.

 

Lover's Walk

 
Oliver Hangl
 
Österreich 2001, 7:01 min (Work in Progress)
 
Lovers' Walk (in 25 easy versions), Projektvorschau: 25 Musiker wurden unabhängig voneinander beauftragt, einen Original-Soundtrack zu einem Super-8 Kurzfilm zu komponieren, der 1995 gemeinsam mit Andrea Gergely (H) gedreht und 1998 geschnitten wurde. Ziel ist es, ein möglichst breites Spektrum an verschiedenen Musikrichtungen nebeneinander zu stellen, um die Wechselwirkung von Bild und Ton zu untersuchen. Von Pop zu Rock über Electrofluff hin zu Jazz und Moderne Klassik und … Geplante Veröffentlichung auf DVD und Audio-CD: Frühjahr 2002. Inhalt: Lovers' Walk zeigt einen jungen Mann, der in einem Park auf seiner Gitarre spielt. Überrascht vom plötzlichen Auftauchen eines fliegenden Mädchens spielt er ein Gitarrensolo, um zuerst selbst und schließlich mit ihr gemeinsam zu fliegen.

 

Mass M.O.C.A

 
Gertrud Fischbacher
 
Österreich 2001, 1:37 min
 
An der Schnittstelle zwischen Natur und Künstlichkeit ist dieses Video als ein nahezu ‚real-time-clip‘ anzusiedeln. Das Motiv ist teilweise als das zu sehen, was es ist, teilweise abstrakt, in Strukturen, Mustern, Licht, Richtungen und Rhythmen entstehend durch die Langsamkeit des Auges und der Kamera, bzw. der Kamerabewegung. Die Formen und Bildschirmstrukturen beginnen zu oszillieren und untereinander zu kommunizieren. Der Originalsound bildet die akustische Ebene.

 

Me/Ju

 
Markus Marte, Sabine Marte
 
Österreich 1998/99, 7:24 min
 
Ein Musikvideo, dessen Teile unabhängig voneinander entstanden sind. Der Bildteil, inkl. Stimme, ist eine TV-Video-Kamera-Montage, wobei einzelne Sequenzen als Bildsamples aneinander montiert wurden. Das Musikstück ist eine live-eingespielte Aufnahme. Mit der Zeit sich ändernde Tonschleifen kombiniert mit Schlagzeug bauen das Stück auf und wieder ab. Bild- wie Tonspur ergeben eine sich ständig verrückende Struktur. (Sabine Marte, Wien 2001)

 

Notdef./Version One

 
maia
 
Österreich 1999, 3:17 min
 
notdef., das könnte für nicht taub stehen oder auch, wer weiß, für undefiniert. Eine perkussiv konturierte, leicht verschleppte Techno-Basslinie pocht monoton unter den Bildern, die sich, abstrakt und in konstanter Mutation, schnellen Definitionen tatsächlich nachhaltig verweigern. In notdef./version one wuchern, wenig mehr als drei Minuten lang, aus der Bildmitte virtuelle Objekte in die Fläche und den Raum hinein, nervös sich konstituierend und gleich wieder auseinanderfallend, einander gleißend hell überlagernd, ehe sie im Schwarz der Matrix wieder versinken. notdef. setzt die Assoziationen absichtsvoll in Bewegung: An einen Überwachungsmonitor fühlt man sich erinnert, der einen undenkbaren Ernstfall aufzeichnet, oder an ein Echolot, das da in ungeahnte Tiefen reicht. Und das Synthetische paart sich mit dem Organischen: Digitale Verästelungen, künstliche Blitze wachsen einem in diesem Band unaufhörlich entgegen, in die Simulation einer Bildtiefe hinein, in der immer wieder, jeweils Sekundenbruchteile nur, auch Gegenständliches sichtbar wird unter all den Lichtlinien und stroboskopischen Störmanövern - die Silhouette einer Menschengestalt, später eine industrielle Landschaft, Spuren einer Außenwelt jedenfalls in der scheinbar so hermetisch abgeriegelten elektronischen Innenwelt. Das weiße Licht strahlt aus, es kreist und tanzt und brennt sich in die Netzhaut, unberechenbar und unaufhaltsam, ein visuelles Delirium - geometrischer Wildwuchs aus dem Innern der Maschine. (Stefan Grissemann)

 

Perceptive faculty 2

 
[n:ja]
 
Österreich 1999, 3:57 min
 
perceptive faculty 2 ist der zweite teil einer trilogie, die den versuch unternimmt, ein instrument zu erzeugen bzw. darzustellen, das durch zeitskalierung vermag, einfluss auf die sichtweise einer situation zu nehmen. das videobild selbst ist gesplittet in vier ansichtsfenster. entsprechend den vier dimensionen repräsentieren die fenster draufsicht, seitenansicht, frontalansicht und ein zeitfenster (dargestellt als ‚laufendes‘ bild). der weg durch das video perceptive faculty 2 ist ein aufsteigen von einer wahrnehmungsebene zur nächsten. durch simulierte veränderung der abspielgeschwindigkeit wird auf die unterschiedlichen interpretationen einer situation eingegangen: je nachdem ob sich die abspielgeschwindigkeit verringert, verdoppelt oder verdreifacht, transferiert die wahrnehmungsebene. bei erreichen der maximalen abspielgeschwindigkeit tauchen die betrachterin und der betrachter in eine zeitebene ein, die den blick auf neue raumwahrnehmungen freigibt. In diesem zustand lösen sich die ansichts- bzw. dimensionsfenster aus ihrem hintergrund und bilden einen von gewohnten dimensionierungen befreiten, eigenständigen raum. vergleichbar mit fotografischen effekten, in denen durch lang- oder kurzzeitbelichtung neue wahrnehmungseindrücke entstehen, zeigt diese arbeit - durch die manipulation der ‚zeitskala‘ - die umgebung aus neuen ‚zeitperspektiven‘. [n:ja]

 

See You See Me

 
Barbara Doser
 
Österreich 2001, 3:00 min
 
Augen schauen, beobachten; ein Gewirr von Signalen, Informationen im realen oder virtuellen Raum. Sie sind zu entschlüsseln, um zu verstehen. Was ist zu sehen? - Was wird gesehen? - Was ist zu hören? - Was wird gehört? - Was wird von alledem wie und von wem wahrgenommen, verstanden? Irgendetwas scheint zu irritieren. Das Bild fällt aus und jemand fragt: "Muss ich mich jetzt schon Tests unterziehen?" Wer wird von wem kontrolliert? Eine Textinformation wird eingeblendet: "Tessa's heart contracted. Butterflies grew in her stomach. ‘What kind of dirty things and who is who?‘" Irgendjemand namens Babel Fish übersetzt: "Inneres Tessa Vertrag abgeschlossen. Basisrecheneinheiten wuchsen in ihrem Magen. ‘Was Art schmutzigen Sachen und wer ist wer?‘" Was ist passiert? - Eine wahre Geschichte, ihr Inhalt ist Interpretation. - Zu wenig Information. Sie geht unaufhaltsam weiter, die globale Kommunikation. Und Kontrolle.

 

Backspace

[Videotanz aus dem Familienalbum]
 
Anita Kaya
 
Österreich 1997, 5:01 min
 
In Backspace ist die Familienfotografie Ausgangspunkt und Katalysator für Erinnerung, der ‚emotionale Raum‘ hinter dem zweidimensionalen Bild öffnet sich und entwickelt sich in einem tänzerischen Duett. Es ist ein Duett auf einem Sessel, ein Duett zwischen Erwachsenem und Kind, zwischen Mann und Frau. Eine physische Beziehung zweier Körper, ständig in Kontakt. Die Geschichte bewegt sich zwischen sich Positionieren vor der Kamera und der subtilen Grenzlinie von Spaß und Aggression. Ein Kräftemessen zwischen Koketterie und Ohnmacht, zwischen Präsentation und Manipulation. Ein Machtspiel zweier Körper, ein Gewaltakt hinter der lächelnden Fassade und die Unmöglichkeit, die entstandene Eigendynamik des ‚Spiels‘ zu stoppen …

 

Carrousel Deux

 
Linda Christanell
 
Österreich 1999, 7:01 min
 
Perception is reality and illusion - memory is truth - memory is reality and illusion is truth. Perception is memory. Das tagebuchartige Drehen einer Postkarte mit einem klassischen Filmmotiv: der Kuss - Abbild der Vergangenheit - Kulisse für Projektionen. Das Filmmotiv und eine Störung des technologischen Systems sind symbiotisch verknüpft, ein dokumentarischer Ablauf bis zu dem Punkt, wo ein Systemfehler im Medium Priorität bekommt und zu einer devastierten Perspektive führt. Der entstehende Zerstörungs- und Zerfallsraum wird zu einer Metapher innerer Empfindungen und das Filmmotiv: der Kuss geht auf eine unvermutete Weise eine Verbindung ein mit dem anfangs zitierten Text. (Linda Christanell)

 

Der graue Star 2 die Wehrmacht

 
Maschek
 
Österreich 2001, 8:22 min
 
Der graue Star 2 - die Wehrmacht ist ein durchaus hinterfotziges Stück Found Footage. Anders als der Titel zunächst vermuten lässt, entstellt die vorwiegend im fortgeschritteneren Alter auftretende Trübung der Augenlinse hier die im Sichtbaren versteckten Kontinuitäten österreichischer Mentalitätsgeschichte zur Kenntlichkeit. Das geschieht formal über einen Chor von Off-Stimmen, die - sich gegenseitig der Evidenz des Gezeigten versichernd - eigentlich nichts Anderes tun, als das ohnehin im Bild Sichtbare kommentierend zu wiederholen, allerdings im Kontext eines Wahrnehmungshorizonts, der das visuelle Material um cirka zwei Jahrzehnte zurückdatiert bzw. geografisch verschiebt. Auf diese Weise werden Amateuraufnahmen aus der Nachkriegszeit, die von ihren Urhebern in aller Unschuld mit der Bewahrung des Erinnerungswürdigen betraut worden waren (mit dem Tagesablauf während einer waffenkundlichen Ausbildung, mit Urlaubsimpressionen in südlichen Gefilden), zu fiktionalen Dokumenten des Alltags in der deutschen Wehrmacht und im argentinischen Exil. Und warum auch nicht: Von Ordnung, Sauberkeit, Männerbündelei, Kameradschaft etc. hätten auch ‚echte‘ Dokumente zu berichten gewusst. ‚Caráoque‘ nennen maschek dieses Verfahren einer Analyse des Sichtbaren über Tautologien: Hier ergreift die Stimme nicht die Macht über die Bilder, sondern fügt sich in die vom Visuellen offen gelassenen Leerstellen ein, damit zur Sprache kommen kann, was gemeint war. Das klingt dann vielleicht anders als von den Urhebern intendiert, trifft die Sache aber in ihrer Substanz. Und lustig ist es auch. (Vrääth Öhner)

 

Es

 
Gerda Lampalzer
 
Österreich 1994, 4:19 min
 
Auf dem Schiff durch die Nordsee. Ist Schwangerschaft ein Sprung ins kalte Wasser? Innen und außen beginnen zu verschwimmen. Ich erinnere mich an einen Traum, den ich mit 6 Jahren mehrmals geträumt habe. Ich schwimme in einem Schwimmbecken. Da falle ich plötzlich mit einem Schwall Wasser nach unten heraus in ein nächstes Becken. Das wiederholt sich mehrer Male. Immer wieder dieses Fallen in ein neues Schwimmbecken. Schaue ich mir deshalb so gerne das Turmspringen im Fernsehen an?

 

Grüss Gott Österreich!

 
Bernadette Huber
 
Österreich 2000, 4:12 min
 
Grüß Gott Österreich ! ist die filmische Aufarbeitung eines Telefonmonologs, aufgezeichnet im Jahr 1997 auf dem Anrufbeantworter von Bernadette Huber. "Grüß Gott! Wir machen eine Umfrage von der FPÖ. Wären Sie bereit dazu?"… dieses Originalzitat eines Anrufers involviert in einen längeren Monolog, konfrontiert binnen Sekunden mit ‚klaren‘ Aussagen über Ausländer, Juden, Deutschland, Hitler und führt in eine Reise ins Ungewisse, begleitet von Bildern von Macht - Beifall - Krieg - Tod - Jubel - Alltag - Trauer - Menschenmassen - Protesten. Aneinandergereihtes Found Footage Material aus polnischen Filmen, selbstinszenierte Videoaufnahmen und ein mir zur Verfügung gestellter selbstgedrehter Super-8 Film werden in Kurzsequenzen aneinandergereiht, als Zitatmaterial verwendet. Störbilder, entstanden als ‚Abfallprodukte‘ des gezeigten Materials am Computer, unterbrechen diese Kurzsequenzen und lösen die Situationen auf. Die Bilder marschieren unaufhaltsam, neue Bilder kommen und werden wieder aufgelöst. Die Aufnahme der Stimme, in den Leuchtanzeigen des Aussteuerungspegels des linken und rechten Kanals (L und R) sichtbar gemacht, begleitet den Film, erreicht Pegelspitzen, teilt in L und R. Einzelne Sätze des aufgenommenen Monologs werden zur visuellen Dokumentation des Gesprochenen eingeblendet. Ein Mann droht und outet sich - und - obwohl dokumentiert am Anrufbeantworter, konnte der Anrufer nie ausgeforscht werden. Grüß Gott Österreich! - Grußworte - Bekenntnis - oder Begegnung mit einer nie aufgearbeiteten Nazivergangenheit? ‚Der kleine Mann‘ gibt Antwort.

 

Trying to remember to forget

 
Amina Handke
 
Österreich 1998, 7:23 min
 
Ausgehend von einem Tonband aus der Kindheit, auf dem zwei Freundinnen - Amina Handke und Lojang Soenario - einander interviewen (und Charlie Chaplin aufgenommen haben), und dem einzigen Foto aus derselben Zeit, das die beiden gemeinsam zeigt, wird versucht zu rekonstruieren: Worauf beruht also die eigene Erinnerung und wie teilt man sie mit? Was daran ist Erinnerung und was Konstruktion? Was ist wirklich passiert, was hat man geträumt? Fußt das Gegenwärtige nicht auf Konstruktion? Geschichte als im Nachhinein konstruierte.

 

War Games

 
Elizabeth McGlynn
 
Österreich 1994, 14:13 min
 
Ein Kinderspiel in einem Hinterhof in Slowenien August 1993, zufällig als Blick aus dem Atelier gefilmt. Im Hintergrund das Radio: Nachrichten aus Sarajewo. Der Finger bleibt auf ‚record', keine Ahnung warum. Plötzlich wird die Intimität des Gewöhnlichen fremd und gefährlich: Kriegsgesten, Gewaltgesten. Eines der Kinder, erfahre ich später, kommt aus Bosnien und lebt in dem soeben errichteten Flüchtlingscamp außerhalb der Stadt. Der Deutsche Schäfer meiner Gastgeber vom ‚partisanskji dom‘ begleitet mich in ein Stück Geschichte dieses Ortes. Habe ich soeben selber Geschichte gefilmt? War Games ist Teil der Trilogie What I see is not what I know, drei slowenische Videostücke, welches während eines ‚artist in residence‘ Projektes in Slowenien entstand und beim steirischen herbst 1994 erstmals gezeigt wurde.

 

War Requiem. Liebe & Anarchie III

 
Eva Brunner-Szabo
 
Österreich 1994, 1:50 min
Inhalt    Mediaclip     

Zur Serie Liebe & Anarchie (work in progress) seit 1990: Die Themen, mit denen ich mich in dieser Serie beschäftige, sind ein ‚vieldeutiges Trauma‘, mein Trauma? Sie beziehen sich immer wieder auf den Menschen und seine Gefühle in Bezug auf Extremsituationen: Krieg, Fremdsein, gewaltsamer Tod … Gerade die Veränderung des alten Gegensatzpaares von Ost und West hat diese in Europa verdrängten ‚Traumata‘ neu heraufbeschworen. Liebe & Anarchie ist eine Serie, in der ich zu visualisieren versuche, was ich auf sprachlicher Ebene nicht lösen kann.
War Requiem. Liebe & Anarchie III: Bosnien. Kroatien. Serbien. - Fotografie des Krieges. Eine Totenmesse für den Krieg, der nur scheinbar für kurze Zeit zu Ende geht. War Requiem besteht aus drei Ebenen: Der Tonspur - Krieg in seiner abstrakten Form. Der Bildebene - Krieg in seinen realen Auswirkungen. Den Einsprengseln - die seelischen Verletzungen meinerseits. Das Grundgerüst des Videos, auf das alle weiteren Ebenen rekurrieren, sind die sechs Tonspuren. Dies deshalb, weil sie die wichtigste Ebene des Videos darstellen. In ihnen ist schon alles angelegt, was man auch sehen kann, man braucht nur die Augen zu schließen.

 

Catch in the cage

 
Se-Lien Chuang
 
Österreich 1998/99, 5:16 min
 
Das Stück basiert auf der Videoaufnahme von In the Cage, Uraufführung am 21. Februrar 1998 im Schömer Haus, Klosterneuburg / Österreich. Entstehungsprozess der Arbeit: Die mikroartige Arbeitsweise im Detail erfordert eine makromäßige Planung. In diesem Sinn erfolgt das Zusammensetzen aller Rechenergebnisse der Digitalisierung und des Effektprozessing - darunter sind Abstraktion, Dimensionalisierung, Farbsättigung, Überlagerung, Verfremdung, Vertönung, Verdrehung usw. zu optimalisieren. Die Musik und die Bilder stellen sich in dynamisch gleichwertigen Ebenen dar. Kommunikation: Durch die Farben und die Formen korrespondieren die Bilder mit dem akustischen Aufruf zur organisch aufgebauten Landschaft. Die musikalische Erwartung zur visuellen Anregung wird zum einen erfüllt zum anderen bewusst durchbrochen. Die Computergrafiken werden durch flächliches Überschneiden der sowohl zwei- als auch dreidimensional prozessierenden Bilder de- und rekonstruktivistisch generiert. Das Überlagern der unterschiedlichen Ebenen führt die Oberfläche der Bildsequenzen mit zeitlicher Mobilität zu polyrhythmischen Ereignissen. Das Kunstvideo Catch in the Cage wurde realisiert im Herbst 1998 im Atelier Avant Graz / Österreich. Für die Betreuung durch Herrn Dr. Karlheinz Essl und Mag. Andreas Weixler bedanke ich mich herzlichst. (http://avant.mur.at/chuang/CatchCage.dt.html)

 

Id.Remix

 
Elisabeth Fiege, Constanze Ruhm
 
Österreich 1999, 5:00 min
 
Eine Folge virtuell konstruierter Räume, die sich auf verschiedene Filmarchitekturen (Le Mépris/Godard, Nouvelle Vague/Godard, Dressed to Kill/De Palma) beziehen, wird von einer digitalen Kamera in einer Loop-Bewegung durchquert. Diese artifizielle Architektur bildet den Hintergrund für drei Figuren, die sich in einem ähnlichen Loop, in einer ähnlichen Zeitschleife wie die Kamera zu befinden scheinen. Drei ‚Schauspieler‘ ohne Text und Plot, die auf einen Auftritt warten, der nicht stattfinden will. Dieses Material wurde auf 35 mm Film aufgenommen und mit der digitalen Vorlage zusammenkopiert. In diesem stummen Film wird die Geschichte angehalten, der Raum in ein einziges Inneres ohne Außenwelt verwandelt und ein Stillframe in Bewegung versetzt.

 

Studio

 
Karl-Heinz Klopf, Sigrid Kurz
 
Österreich 2000, 8:21 min
 
Das eigene Studio ist als Raumskelett dargestellt, als eine fragile Durchgangszone mit Clips aus erhaltenen E-mails. Sie thematisieren subjektive Verortung und Bedingungen in Städten. Der Countdown läuft. Die Kamera durchfährt verschiedene Ebenen eines architektonischen Gerüstes, Simulationen von Wänden und Gängen entstehen, eine Struktur von schwarzen Linien auf weißem Grund. Fragil und temporär skizziert, um im nächsten Augenblick von einer anderen Perspektive ersetzt zu werden, markieren die Linien dennoch klar Koordinaten, die dreidimensionale Räume entwerfen. Doch die Bewegung der Kamera beschreibt keinen homogenen Kubus, das Bild des Ortes bleibt in der Rezeption fragmentiert und entzieht sich immer wieder der Verortung einer Einheit. Mit jeder weiteren Ebene, signalisiert durch den eingeblendeten Timecode, wird die Kamerafahrt perspektivisch komplexer und bietet wie in einem Videospiel immer neue Optionen und Verzweigungen. Der Ausgangspunkt, ein horizontaler Grundriss, transformiert zu einem multiplen Raum-Riss. Von Zeit zu Zeit erscheinen Auszüge aus E-mail Botschaften, die sich über das architektonische Gerüst schreiben. Die Nachrichten, deren Sender unerwähnt bleiben, berichten auf unterschiedlichste Weise von Städten gleich kommunizierbaren Spuren der jeweiligen (Arbeits)Pfade, der (Selbst)Verortung und des (Netzwerk)Austausches. 00:00:00, die Zeit des Videos läuft ab, die Raumlinien lösen sich auf, dann folgt die letzte Nachricht, außerhalb einer visualisierten Zeit und Örtlichkeit: "Due to a computer crash I lost your cities list. Can you send it again?". (Rike Frank in Camera Austria 73/2001 / Auszug)

 

Tür 14 - Reading on absence

 
Ricarda Denzer
 
Österreich 2001, 13:10 min
 
302: Wäre es richtig zu sagen in unseren Begriffen spiegelt sich unser Leben? Sie stehen mitten in ihm.
303: Die Regelmäßigkeit unserer Sprache durchdringt unser Leben.
(Ludwig Wittgenstein. Bemerkungen über die Farben) "wie entstehen geschichten? - und wie kann man den moment in dem sie entstehen festhalten?" - diese überlegung ist der ausgangspunkt der künstlerin ricarda denzer für ihre audio-visuelle produktion tür 14 - reading in absence. denzer lässt personen aus ihrem umfeld kommentierend eine leere leerstehende wohnung durchwandern. diese wohnung ist wie der von allem inwendigen fleisch befreite panzer einer krabbe eine leere schale ein gerüst eine ruine ein rest. und während die personen noch glauben über die anderen über diese fremde welt zu sprechen und sie anhand ihrer minimalen spuren zu rekonstruieren oder zu imaginieren gedächtnisarbeit zu leisten sind sie bereits im netz ihrer sprache und vorstellungen verfangen. die leere des ortes triggert ein lesen des abwesenden das zunehmend zu einem investieren und bedeutungproduzieren mutiert. die tonspur verselbstständigt sich mehr und mehr etabliert kontexte und verdeutlicht die komplexität von viewing / reading praktiken. während sich die videobilder kontemplativ und delirierend zugleich durch den ‚untoten‘ raum bewegen ist verschoben dazu eine verbale emergenz zu beobachten findet ein anstürmen von fragmentierten assoziationen statt: projektion intuition fiktion überlagern sich in den monologen der betrachterinnen die sprechend zunehmend zu leserinnen und autorinnen ihrer selbst und ihrer eigenen lebensframes werden. (judith fischer)

 

Welldone

 
Uli Aigner
 
Österreich 1999, 19:54 min
 
Welldone - Dann gehst du zum Spiegel und schminkst dir das Kinn! Verfolgt von Uli Aigner mit der Kamera und gesteuert mittels ihrer Anweisungen per Mikrofon bewegt sich Elke Krystufek gelassen durch das Set: im fleischfarbenen weiten Nachtgewand in einer Einrichtung im selben fahlrosa Ton.
Optisch zusammengepasst im Chamäleonverfahren - alles frisch gestrichen, tapeziert und eingekleidet - geben die Bewohnerin und ihr Wohn/Schlafzimmerfragment den Eindruck fehlloser Homogenität. Doch gut gerichtet und angepasst ist nur die Ausstattung in diesem Stück, die Handlung geht gegen den Strich, fällt aus dem Rahmen: Die scheinbar mit den Dingen gleichgeschaltete Akteurin greift zur Schere und agiert konsequent und obstinat als Kontrapunkt ihrer monochromen Idylle.
Uli Aigner komponiert den Ort der Performance Welldone als abgeschlossenen Mikrokosmos: Wie eine Insel ragt das Podest, auf dem Elke Krystufek ihre verfehlten morgendlichen Rituale vollzieht, aus der Umgebung. Die Kamera bleibt außen, umrundet das Geschehen wie das Publikum, das Abstand hält und aus der Distanz diese Parabel von Angleichung und Abweichung erlebt. Und im selben Moment auch Zeuge wird der Vorbereitung für das, was dauerhaft aus dieser nur einmal aufgeführten Aktion hervorgehen soll: ein Videofilm, den Uli Aigner danach in einer Installation im Kinosaal des Museums moderner Kunst zeigt. (Monika Faber, in: welldone, 1999)

 

Die Rote Zora

 
Oliver Ressler
 
Österreich/ Deutschland 2000, 27:41 min, dt/eng subtitles
 
Die Rote Zora ist eine militante Frauengruppe, die in den 80er Jahren in Deutschland über 20 Anschläge verübte und diverse andere Delikte beging. Bekämpft wurden Atom-, Gen- und Reproduktionstechnologie, die entsprechenden Anschlagsziele waren Konzerne wie Bayer, Schering und Siemens, Forschungsinstitute und das Eigentum von "Vertretern der patriarchalen Ordnung" (RZ 1983). Die Rote Zora bildete eine radikale politische Opposition zur bestehenden Macht und setzte auf eine Politik der Sachbeschädigung. Es war ein Grundsatz, dabei keine Menschen zu verletzen. Zahlreiche Texte und Bekennerschreiben der Roten Zora zeigen, dass sie eine "bewaffnete, aber auch oft genug mit der Schreibmaschine kämpfende Gruppe" (Oliver Tolmein) war. Während die Frauen von den einen als ‚Terroristinnen‘ verfolgt wurden und bis heute werden, galten sie anderen zweifelsohne als Heldinnen. Zentrales Element des Videos Die Rote Zora bildet ein Interview, das im Sommer 2000 mit Corinna Kawaters geführt wurde. Kawaters ist die einzige Frau der Roten Zora, die wegen der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" (§129a) von einem Gericht verurteilt wurde. Ein weiteres Gespräch wurde mit der Sozialwissenschafterin Erika Feyerabend aufgenommen, die wie die anderen Mitarbeiterinnen des Gen-Archiv Essen Ende der 80er Jahre in den Strudel der polizeilichen Ermittlungen gegen die Rote Zora geraten ist. Das Video bietet Raum für die persönlichen Erzählungen und Sichtweisen der Frauen und lässt ein Bild des sozialrevolutionären ‚Terrorismus‘ entstehen, das sich von den hegemonialen medialen Darstellungen mit ihrer scheinbaren Objektivität abgrenzt.

 

Driven

 
Barbara Holub
 
Österreich 1998, 35:56 min
 
In der Saison 1997/98 betrieb Matthew Girson, ein Künstler aus Chicago, seinen Pickup Truck als Galerie. Interessierte Kunstbetrachter konnten einen Termin vereinbaren, zu dem sie vom Galeristen abgeholt und entsprechend dem Projekt im Truck herumgefahren wurden. Alle Projekte wurden speziell für »7562 LR« entwickelt und sollten die besonderen Parameter wie den transitorischen Aspekt dieses Galerieraums und des Kunsterlebnisses berück-sichtigen. Driven (‚gefahren‘, ‚getrieben‘) ist ein Hörstück, das offene und verdrängte Begehren sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Leben thematisiert. Der Text basiert auf Gesprächen mit Prostituierten und Sozialarbeitern in Wien sowie auf einer sehr suggestiven, fast hypnotischen sprachlichen Ebene, in der die Fahrgäste/Kunstbetrachter direkt angesprochen werden, auch bezüglich ihrer Erwartungshaltung an den Künstler oder eine Kunsterfahrung. Während der Fahrt sollten die Fahrgäste sich eine Schlafmaske aufsetzen, um das Moment der Erwartung und gleichzeitig Verunsicherung zu steigern. Die Fahrt wurde aus der Sicht des Kunstfahrgasts mit einer Videokamera gefilmt. Am Ende der Fahrt, zurückgekehrt an den Ausgangspunkt aber noch mit Augenmaske, wurden die Fahrgäste eingeladen, zwei Objekte anzufühlen und danach ein evaluation sheet über die Erlebnisqualität dieser Fahrt auszufüllen.

 

Japanische Briefe

 
Eva Brunner-Szabo
 
Österreich 1995, 18:33 min
Inhalt    Mediaclip     

"Die Kunst", erklärt der Maler Geza Brunner-Szabo, während die Filmkamera langsam sein Cabinet d'amateur, eine über Generationen hinweg zusammengetragene Sammlung von Gemälden, Fotografien und Exotika, durchmisst, "ist eine wunderschöne Sache". Der Blick der Kamera schweift ab, zeigt die Gräber des jüdischen Friedhofes im neunten Bezirk in Wien, Bilder aus den dreißiger Jahren, dann, für Momente nur, das Kopfstück eines Bekennerschreibens der Briefbombenattentäter, worüber sich ein Kommentar, Passagen aus Schriften des japanischen Arztes und Dichters Saito Mokichi, legt, Ansichten eines Fremden von Wien, verfasst zu Beginn der zwanziger Jahre. Kein Film im gebräuchlichen Sinn des Wortes, eher schon ein multisensualer Versuch in Sachen Video, ist Eva Brunner-Szabos knapp zwanzigminütiges Essay Japanische Briefe. (Michael Omasta, Falter 3/96)

 

#1:<COMMON.PLACES>

 
Fiona Rukschcio
 
Österreich 1999, 45:30 min
 
#1:<common.places> vereint 27 Frauen und ihre Erzählungen über den 'normalen' Belästigungsalltag, dem jede Frau in jeder Situation ausgesetzt sein kann. Das Video erzeugt eine unmittelbare Konfrontation mit dem alltäglichen Sexismus, beschreibt Situationen der Belästigung ohne jegliche Stilisierung und Überzeichnung - fortlaufende Grenzüberschreitungen an allen Plätzen zu jeder Zeit, die Frauen in ihren Privaträumen, an öffentlichen Orten, in Arbeitsverhältnissen widerfahren. Fiona Rukschcio lässt den Betrachter/innen durch die clipartige Aneinanderreihung der einzelnen Sequenzen keine Möglichkeit, sich zu entziehen. #1:<common.places> ist kein kunstvoll arrangiertes, symbolüberfrachtetes Fantasiegebilde, sondern ein klar strukturiertes, unverzerrtes Abbild der Realität. Rukschcio bedient sich keiner Klischees, sie benötigt keine aufwendige, marktschreierische Inszenierung, um Spannung zu erzeugen. Sie präsentiert nicht die Spitze des Eisbergs, sondern eröffnet einen Zugang zu dem Teil, der im Verborgenen liegt, der keinen unmittelbaren Sensationswert in sich birgt, dem Frauen in einer auf patriarchalen, männerbündischen Strukturen basierenden Gesellschaft selbstverständlich tagtäglich ausgesetzt sind. Rukschcio lässt die verschiedenen Belästigungssituationen an den entsprechenden Orten beschreiben, die Betroffenheit des Betrachters/der Betrachterin steigt mit jeder weiteren Erzählung, das Unbehagen wächst. Und es gibt am Ende nicht mehr die Möglichkeit zu sagen, "das geht mich nichts an, mir könnte so was nie passieren", im Gegenteil, #1:<common.places> erzeugt eine Reflexion der eigenen Geschichte auf der Suche nach genau diesen, teilweise fast unsichtbaren, alltäglichen Belästigungen im weitesten Sinn. (Harriet Leischko)

 

Was tun?

[die letzten tage der martha b.]  
Christoph Nebel
 
Österreich 2000, 43:57 min
 
Was tun? Irgendwann im Oktober 1998 hat Martin Reinhart mir einen Artikel aus dem SPIEGEL vorgelesen und fragte nach, ob das darin Beschriebene überhaupt zu erfassen ist. Zwei Jahre lang lag dieser Artikel in meiner Wohnung in Wien - und die Videoarbeit ist mein Versuch des Erfassens.
Was tun?
Trotz gegebenem Zugang zu modernen digitalen Videoschnittplätzen wählte ich für diese Videoarbeit eine andere Arbeitsweise. Ich habe es in meiner Wohnung mit meinen zwei normalen VHS-Rekordern, meinem Walkman, meinem CD-Player, einem geliehenen Audiomischpult und einer geliehenen Hi-8- Kamera gemacht. Bei der Überlegung zu einem Titel fiel mir erstmals das Titelblatt dieser Spiegel-Ausgabe 40 / 28. 9. 1998 auf: Was tun?
Das 100-Tage-Programm (für jede Regierung).
Zum Inhalt: Ehen - Die letzten Tage der Martha B. Fünf Tage lang lag eine 77-jährige Frau auf dem Teppich in ihrem Wohnzimmer. Ihr Mann, mit dem sie seit 47 Jahren verheiratet war, ließ sie verdursten. Vor Gericht gefragt, warum er seiner Frau nicht geholfen habe, antwortet er: "Das hat sie ja nicht verlangt." Von Matthias Geyer (Seite 152-155). (Christoph Nebel)

 

The alternative Tokyo Trilogy Part 2: Sir Elton

 
Heidemarie Seblatnig
 
Österreich 1999, 18:18 min
 
Grundlage für den Film der österreichischen Künstlerin Heidemarie Seblatnig sind die detailreichen Erzählungen des Kunstpromotors Johnnie Walker aus Tokyo. Er ist eine berühmte Persönlichkeit in Tokyos Kunstszene.
Der Film befasst sich mit der Kunst, Architektur und Gesellschaft Tokyos, bis in die intimsten Details. Diese Form der Erzählung greift auf einen Roman des berühmten japanischen Schriftstellers Natsume Soseki von 1905/06 mit dem Titel I am a cat zurück. Darin beschreibt er, wie seine Katze in den Gassen in der Umgebung seines Wohnhauses herumschleicht und die Nachbarn beobachtet.
Sir Elton, der Kunstkritiker, ist ein Hund. In Anlehnung an die Tatsache, dass die Kunstkritik auf der ganzen Welt ziemlich zahnlos ist, wagt Sir Elton mit seiner Kritik zu beißen.

 

Was übersetzt ist noch nicht angekommen

 
Michael Pilz
 
Österreich 1996, 68:39 min
 
Die jüngste filmische Tagebuch-Arbeit von Michael Pilz ist ein eindrücklicher Ausweis dieses überzeugenden Projektes: Pilz fährt eine Nacht lang mit einem bemerkenswerten New Yorker Taxifahrer durch die Stadt. An dessen Seite sitzend, schauend und hinhörend, manchmal intervenierend, nutzt er seine handliche High-8-Kamera wie ein Schreibinstrument, als ‚Camera-Stylo‘. Die Qualität des Films liegt nicht nur in der vergnüglichen Begegnung mit einem Menschen, der die Nacht, das Kino und Amerikas beeindruckendste Großstadt kennt und seine Fahrgäste unerwartet herauszufordern weiß. Dieses etwa einstündige Video ist ein gutes Beispiel für die gleichzeitig mit Intelligenz und Intuition geführte Pilzsche Kamera und die dieser entsprechenden (zum Teil von der Kamera vorweggenommenen) Montage: Der Sinn des Künstlers für Rhythmus und Kadrage lässt den Zuschauer erstaunliche Blicke und Augenblicke wahrnehmen, in denen Reflexivität und Schaulust einander verstärken. Künstlerischer Dokumentarfilm, dies lebt Michael Pilz geradezu vor, setzt im besten Lumiéreschen Sinne die Fähigkeit zum Selbstportrait voraus. (Christa Blümlinger)

 

Indicatore-Project

 
Gertrude Moser-Wagner
 
Österreich 1996, 41:26 min
 
Vom Zugfenster aus entdeckt und fotografiert die Künstlerin das Bahnhofsschild von Indicatore. Indikator des Indikators: Reizpunkt für Forschung, die sich dem Begriff aussetzt. Postkarten des Fotos werden an 40 Personen aus kunstnahen und -fernen Bereichen gesendet mit der Bitte, einen ‚Auftrag‘ zu formulieren, den die Künstlerin in Indicatore auszuführen hätte. Im Juni 1993 begibt sich Gertrude Moser-Wagner auf Zeichenexpedition. Durch die verschiedenartigen Vorschläge differenzieren sich Konzept und Koinzidenz am Ort der Recherche: Drei Tage voll von konzentrierter und zugleich abenteuerlicher Arbeit, geleitet durch Sprache und Inhalt der Aufträge im Kontakt mit dem tatsächlichen Dorf Indicatore und seinen BewohnerInnen.

 

Paranormal

 
Gerda Lampalzer, Manfred Oppermann
 
Österreich 1997, 49:40 min
Inhalt    Mediaclip     

Es scheint, als würde die "Entzauberung der Welt", von der Max Weber sprach, nach dem Höhepunkt der Aufklärung eine Gegenreaktion provozieren. Das Interesse an unerklärlichen Phänomenen nimmt zu, was sich allein schon daran ermessen lässt, dass die Fernsehanstalten, untrügliche Trendbeobachter, vieles in diese Richtung unternehmen. In paranormalen Phänomenen manifestiert sich ein unaufgeklärter Rest in der faktischen Wirklichkeit, eine andere Dimension, die nur durch ‚Medien‘ (menschlicher oder technischer Natur) zugänglich ist. Der Film Paranormal gestaltet eine Recherche im Milieu der Grenzwissenschaften als Parallelaktion. Die Filmemacher suchen Experten und Amateure des Übersinnlichen auf und lassen sich die Methoden, mit dem ‚kosmischen Informationsfeld‘ in Kontakt zu treten, erläutern. Die dazu notwendigen Apparaturen bilden einen wesentlichen Bestandteil der Erzählung. Auf ihrer Suche nach Sinneinheiten im Chaos verwenden diese Forscher interessanterweise Techniken, die in der derzeitigen populären Kultur zentral sind: Zerlegung, Sample, Scratchen.
Parallel dazu unternehmen Lampalzer/Oppermann auch Selbstversuche mit verschiedensten filmischen Mitteln (von der Einzelbildfotografie bis zur manipulierten 16mm-Kamera), in denen sich das Scheitern dieser Kontaktaufnahme zum Teil ironisch, zum Teil lapidar zeigt. Das Ende bleibt offen: Unbelichtetes Fotomaterial hängt in einem Baum und wird zu einem vieldeutigen Zeichen. (Bert Rebhandl)