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Der Schlaf der Vernunft

 
Michaela Pöschl
 
Österreich 2000, 13:48 min
 
Das Video zeigt mein Gesicht. Es gibt weder Kamerabewegungen noch Schnitte. Meine Augen blicken in die Kamera, bis ich ohnmächtig werde. Der Schlaf der Vernunft dokumentiert nicht die im Oktober 1998 inszenierten Schläge. Die Aktion war die Realisation eines Bildes. Als Kunsthistorikerin interessiert mich eine Produktion von Text, die meinem Körper Raum gibt. Mich interessiert ein Denken, das an diesem Körper ansetzt. Die Kunstgeschichte ist eine Disziplin, die die Schreibenden traditionell auf den körperlosen, ‚neutralen‘ Blick festgelegt hat. Es war dieser Rahmen mit seinem repressiven Bild von Sprache, der mich meinen Körper als Grenzlinie zwischen einer Geschichte von Kunst (mir selbst) und Kunst (meinem Objekt) begreifen ließ. Als Video- und Performancekünstlerin arbeite ich mit/auf Grenzen. Unter ‚Grenze‘ verstehe ich die im Rahmen unserer Kultur künstlich gezogenen Trennlinien zwischen Intellekt und Körper, dem Begrenzten und dem Ausgegrenzten, dem klar definierten Selbst und dem Anderen. Ich mag Grenzen als Orte des Weder-noch bzw. des Sowohl-als-auch, als Orte, wo scheinbar eindeutige Positionierungen hinterfragt werden müssen. Der Schlaf der Vernunft stellt Fragen. Das Video handelt u.a. von der Interaktion mit dem Blick der Kamera/dem Publikum. Es handelt vom Akt des Sehens, der ein Akt des Begreifens sein will. Vom Blick ins Leere, der immer ein Blick ins Selbst ist. (Michaela Pöschl 2000)